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“Der Scottish-Deerhound ist der Aristokrat unter den Hunden”...... So beginnen fast alle Webseiten, die sich mit dem Scottish-Deerhound befassen. Ist ein Deerhound wirklich etwas besonderes? Wie lässt sich nun der Deerhound beschreiben. Was zeichnet einen Deerhound aus? Ist es seine Größe? Seine Erscheinung? Sein Charakter? Sein Verhalten?...
Liest man sich durch das Internet, so wird ein Deerhound von seinen Haltern meist in den höchsten Tönen gelobt. Er hätte ein ruhiges Wesen, er verträgt sich mit allen Hunden usw.
Aber woher hat der Deerhound diese Eigenschaften? Dazu müssen wir uns die Geschichte der Deerhounds doch etwas genauer ansehen.
Die Haltung von Deerhounds ist bis ins frühe Mittelalter durch Aufzeichnungen belegt. Einen Deerhound durfte nur der Adel besitzen. Dem normalen Volk war es verboten sich einen Deerhound zu halten. Warscheinlich hätte es sich sowieso keinen Deerhound halten können, wenn man bedenkt dass ein Deerhound am Tag ca. 2 kg Futter benötigt. Und Nahrungsmittel zur damaligen Zeit immer ein knappes Gut waren. Man konnte keine unnützen Esser mit durchfüttern.
Wie hoch angesehen diese Hunde waren, zeigt auch, dass sich ein Adliger über den gerichtet wurde sich freikaufen konnte. Er musst dafür “nur” seine Deerhounds dem Gericht übergeben.
In der damaligen Zeit, was hatte ein Fürst oder Graf für einen Tagesablauf? Der Adel war ja in der glücklichen Lage nicht arbeiten zu müssen. Für die Arbeit war das Volk, waren die Bauern und das Gesinde verantwortlich. Zeit war somit genügend vorhanden. Die Burg war in der Regel Lebensmittelpunkt vieler Menschen, Gesinde, Untertanen, Gäste etc. Natürlich wurde ausgiebig dem Vergnügen gefrönt. Man ging zur Jagd und abends wurde der Tag mit einem frohen Gelage abgeschlossen. So war es damals. Oder so könnte es zumindest gewesen sein. Da könnte man doch glatt neidisch werden.
Ein adliger Herr musste natürlich Respekt ausstrahlen und man sollte ihm in Ehrfurcht begegnen. Dabei hatten diese Riesenhunde natürlich Ihren Teil dazu beigetragen. Das normale Volk kannte solch grossen Hunde ja nicht. Und wenn man damals als ca. 1,60 m grosser Untertan vor seinem Fürsten stand, der von halb so grossen Hunden umgeben war, flösste das schon Respekt ein.
Andererseits sollten die Hunde sich unter Menschen natürlich ruhig verhalten. Unter vielen Menschen konnte man ja keine scharfen Hunde frei laufen lassen. Die Untertanen wurden ja für die Arbeit benötigt.
Einen hohen Stellenwert nahm die Jagd damals ein. Was für uns heute Fussball ist, war damals für den Adel die Jagd. Das Wild musste durch die Hunde gestellt werden. Um einen Hirsch zu stellen, bedarf es Ausdauer, Schnelligkeit und Mut. Die Körpergröße und die Kraft war natürlich entscheidend, den Hirsch auf den Boden zu drücken, bis er von dem Jäger erlegt werden konnte. Das erledigten immer mehrere Deerhounds gemeinsam.
Als die Zeit der Schusswaffen anbrach, wurden die Deerhounds immer weniger zur Jagd eingesetzt, und die Zahl der Hunde nahm drastisch ab. Aber durch den Enthusiasmus einiger Deerhound Besitzer konnte die Rasse gerettet werden.
So hat sich mit der Zeit der besondere Charakter des Deerhounds gebildet. Ein Hund der Respekt und Ehrfurcht durch seine reine Präsenz ausstrahlt. Aber absolut verträglich mit anderen Menschen und den meisten Tieren ist (solange sie nicht in sein Beuteschema passen). Im Haus sich zurückhaltend verhält. Draussen in der Natur aber sehr temperamentvoll ist.
Nur sollte es zukünftigen Deerhoundbesitzern bewusst sein, dass der Deerhound immer noch ein schneller und kräftiger Jäger ist, der achtsam in der freien Natur geführt werden muss. Der Hundeführer muss dem Hund immer einen Blick voraus haben, um Begegnungen mit Wild o.ä. zu vermeiden, oder darauf vorbereitet zu sein. D.h. der Hund angeleint sein sollte.
Der Dichter Sir Walter Scott hat über seinen Deerhound Maida, einmal gesagt, er sei „A most perfect creature of heaven“. Ob das zutrifft, ist schwer zu sagen. Aber ein Deerhound ist auf jeden Fall aussergewöhnlich.
Und sind wir wieder am Anfang und ich geselle mich wieder zu den anderen Deerhoundbesitzern, die ihren Hund in den höchsten Tönen loben.
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